Mal was Neues zum Abendessen? Agakröten als Schlangenbeute in Australien PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 07. Juli 2010 um 09:22 Uhr
Theorien zur Beutewahl sagen voraus, dass neue Beutetiere – wie z. B. invasive Spezies – vor allem dann in das Beutespektrum heimischer Prädatoren aufgenommen werden, wenn der Nutzen (z. B. der Nährwert) den Aufwand (wehrhaft, giftig) rechtfertigt. Seit 1935 breitet sich die eigentlich zentral- und südamerikanische Agakröte aggressiv über weite Teile Australiens aus. Die Tiere erwiesen sich als hochgiftig für viele der heimischen traditionell froschfressenden Schlangen, und so ist eine starke Gegenselektion gegen Agakröten als Schlangenbeute nicht verwunderlich.
Was aber geschieht mit den Fressgewohnheiten der wenigen Schlangenarten, die das Krötengift anscheinend schadlos vertragen? Felduntersuchungen an der zu dieser Gruppe zählenden Kielrücken-Wassernatter (Tropidonophis mairii) in Queensland zeigten nun, dass selbst solche Schlangen die eingewanderten Kröten weitgehend meiden. Sowohl im Feld als auch im Labor bevorzugten Schlangen dieser Art heimische australische Frösche deutlich gegenüber Agakröten. Nach Zwangsfütterung würgten sie auch die Kröten mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder aus als alle anderen Froschlurche. Trotz der beachtlichen Größe und des damit verbundenen Nährwertes der Agakröten sind selbst für die gifttoleranten Wassernattern die nicht unmittelbar offensichtlich werdenden Auswirkungen des Krötengiftes immer noch stark genug, um die Agakröten weitgehend aus dem Beutespektrum auszuschließen. Populationen der Kielrücken-Wassernatter sind also anders als viele andere Schlangenpopulationen durch die invasiven Agakröten zwar nicht gefährdet, doch profitieren sie andererseits auch nicht davon und tragen auch nicht zur Reduktion der Neulinge bei.
(Quelle: Llewelyn, J. et al. [2010], Biol Invasions 12:1045-1051)