Exkursionen 2022

zur 58. Jahrestagung für Herpetologie und Terrarienkunde in Berlin

 

 

1. Führung Naturkundemusem Berlin inkl. Hinter die Kulissen

geführt von PD Dr. Mark-Oliver Rödel

Führung in zwei Gruppen á 15 Personen, Start: 10:00 Uhr bzw. 11:00 Uhr.

Das Museum für Naturkunde Berlin ist neben dem Senckenbergmuseum in Frankfurt und dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn das größte Naturkundemuseum in Deutschland und Teil der Leibniz Forschungsgemeinschaft. Die Bestände umfassen mehr als 30 Millionen Objekte.

Das Museum ist vor allem wegen des Brachiosaurus brancai bekannt, das als das bislang besterhaltene Skelett seiner Gattung und das weltweit größte aufgebaute Skelett eines Dinosauriers gilt.

Aktuelle Forschungsthemen sind die Rekonstruktion der Evolution verschiedener Tiergruppen, Biodiversitätsforschung in heutigen Lebensräumen, Zoodiversität im Wandel von Umwelt und Nutzung unter anderem im südlichen Afrika, Biogeographie, Paläoökologie, die frühe Entwicklung von Sonnensystemen, der Aufprall von Asteroiden auf der Erde und deren Auswirkung auf die Erdkruste und die Biosphäre, die Bildungsforschung, Provenienzforschung sowie Wissenschaftsforschung.

 

 

 

 

2. Freilandexkursion in den Landschaftspark Herzberge, Berlin

Beginn: 09:30 Uhr; Treffpunt: Tram Station "Ev. Krankenhaus KEH".

 

Der Landschaftspark Herzberge liegt umgeben von Geschosswohnungsbau und Gewerbegebieten im urbanen Bereich Berlins. Ursprünglich handelte es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen. 1889 begann der Bau der Gebäude des heutigen Krankenhauses Königin Elisabeth, das 1893 eröffnet wurde und zu dem eine ca. 85 ha große unbebaute Fläche gehörte. Die Freiflächen wurden landwirtschaftlich und für therapeutische Zwecke genutzt. Später wurde dort auch Gewerbe angesiedelt und ein Bahnanschluss gebaut. Seit der 1920er Jahren gab es auch Sportanlagen und später einen Zeltplatz, um 1980 wurde eine 12 ha große Fläche mit Gewächshäusern bebaut. Die verbliebene unbebaute Fläche mit einer Größe von 35 ha wurde 1974 gemäß Naturschutzverordnung der DDR als „Geschützter Park“ ausgewiesen.

Die Gewächshausanlage wurde ab 1994 abgebaut. Um die Freiflächen des Gebietes zu erhalten, wurden in der Folge Pläne entwickelt, diese als Landschaftspark unter Schutz zu stellen, 2018 erfolgte die Ausweisung als LSG. Ab 2004 wurde auf den brach gefallenen Flächen ein Projekt zur urbanen Landwirtschaft, vor allem Schafbeweidung durchgeführt.

Seit Anfang der 1980er Jahre engagieren sich hier Feldherpetologen für den Schutz der Gewässer und deren Amphibienbestände. Neben den ursprünglich vier vorhandenen Gewässern wurden weitere sieben Kleingewässer angelegt, um die Amphibienbestände zu fördern und zu vernetzten. Das Gebiet nutzen fünf Amphibienarten zur Fortpflanzung, darunter Kammmolch und Wechselkröte. Im Maximum wurden in einzelnen Kleingewässern 4298 Erdkröten (2009), 2675 Teichmolche (2008) und 381 (2004) Kammmolche durch Fangzäune nachgewiesen. In den letzten Jahren wurde ein deutlicher Rückgang der Bestände festgestellt. Eine Ansiedlung der Kreuzkröte war nicht erfolgreich.

Auf die Weideflächen, die seit 2009 mit einer Herde Rauwolliger Pommerscher Landschafe beweidet wurden, erfolgte in den Jahren 2016 und 2017 eine Zauneidechsenumsetzung. Dafür wurden ab 2014 die durch die Beweidung strukturarmen Flächen (10,9 ha) in 6 Teilbereiche aufgeteilt und umgestaltet. In den einzelnen Teilbereichen wurden jeweils Kernzonen ausgezäunt, die von den Weidetieren nicht betreten werden konnten. Dort wurden ca. 60 cm hohe Sandwälle mit vor- und aufgelagertem Altholz und partiellen Schotterschüttungen und Strauchpflanzungen angelegt. Im Weidebereich wurden zur Strukturanreicherung Altholzhaufen angelegt.

Nach der Fertigstellung wurden insgesamt 1204 adulte und subadulte sowie 1623 juvenile Zauneidechsen, die auf einem ehemaligen Rangierbahnhof abgefangen wurden, auf den Weideflächen angesiedelt.

Ab 2016 erfolgte ein Monitoring der Ansiedlungsflächen, bei dem zuerst der am Anfang festgelegte Beweidungsrhythmus sowie die Dichte der Weidetiere anhand der Vegetationsentwicklung überprüft den und ggf. angepasst werden sollte. 2017 wurden zusätzlich die Auswirkungen der Beweidung mit Schafen und Rindern auf die Eidechsenhabitate verglichen und bewertet.

Klaus-Detlef Kühnel, Brigitte Bannert, Jens Scharon